Warum dein Gehirn beim Schreiben anders denkt als beim Reden
- Larissa Heymann

- 10. Apr.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 13. Apr.

Kennst du diesen Moment? Du grübelst seit Tagen über eine Herausforderung in deinem Leben. In deinem Kopf finden die wildesten Argumentationen statt und dennoch kannst du dich nicht entscheiden, was du machen sollst. Bis du dich mit einer Freundin triffst. Du erzählst ihr von deinem Problem und während du redest merkst du, wie du deine Argumentation in eine Richtung lenkst. Wie du das Gespräch steuerst, damit sie der einen Sache zustimmt. Subtil gibst du einer Sache mehr Gewicht, schmückst sie mehr aus und redest die andere Sache schlechter. Am Ende bestärkt sie dich genau an der richtigen Stelle.
Du gehst mit einer Lösung nach Hause, die du auch alleine gefunden hättest.
Ich sage nicht, dass man seine Probleme nicht mit der besten Freundin besprechen soll. Aber ich sage, dass wir oft das Gefühl haben, alleine keine Klarheit erlangen zu können. In der kleinen Geschichte oben ist die Situation gut ausgegangen, unsere Protagonistin ist mit einem guten Gefühl nach Hause gegangen, weil ihr Inneres mit der äußeren Reaktion übereinstimmte.
Doch was ist, wenn dich das Außen durch eigene Erfahrungen und Ängste ausbremst?
Jeder Mensch trägt in sich Erfahrungen und Erlebnisse, die seine Worte beeinflussen. Selten bekommst du eine subjektive Meinung.
Doch es gibt da eine Person, die immer in deinem Team ist. Die absolut das beste für dich will und deine nächsten Schritte kennt. Und das bist du.
Nicht die Version von dir, die dich klein redet oder Selbstzweifel streut. Die Version, die du beim Schreiben herauslockst.
Schreiben ist die einzige Methode, die deine Klarheit ans Licht holt.
10 Minuten reichen vollkommen aus, um an das Un- und Unterbewusste von dir zu kommen. Wie das funktioniert? Durch Schreiben verlangsamst du deine Gedanken. Anstatt wie ein Ping Pong wild hin und her zu springen und eine riesige Versammlung mit 30 verschiedenen Meinungen im Zaum zu halten (und ja, Ich wette, dein Kopf gleicht auch oft genug einer hitzigen Debatte im Bundestag), verlangsamst du deine Gedanken so weit, dass du nur einem Strang folgen kannst. Und genau das ist der Punkt. Die motorische Verlangsamung — die Tatsache, dass deine Hand nicht so schnell schreiben kann wie dein Kopf denkt — zwingt dich, Gedanken zu priorisieren, zu formulieren, zu strukturieren. Dabei aktiviert sich der präfrontale Kortex: der Teil deines Gehirns, der für Planung, Selbstregulation und höhere Erkenntnisse zuständig ist.
Am Anfang wird es dir schwer fallen. Wird es vielleicht sogar nervig sein. Doch nach ein paar Minuten wird es fließen und am Ende hast du die Antwort auf deine Fragen und ein wunderbar leichtes Gefühl: Weil es deine eigene Wahrheit ist.
Was das für dich bedeutet
Schreib einen kurzen Abschnitt mit deiner Herausforderungen. Du kannst es wie ein Brief formulieren: “Ich weiß einfach nicht weiter. Es nervt mich so unaussprechlich, dass …” – bevor du dir selbst antwortest, atmest du innerlich tief durch und antwortest dir als die Person, die ein Jahr weiter ist als du jetzt. Beginne mit Verständnis für dich selbst und antworte dir als die Freundin, die nur das Beste für dich möchte. Du wirst sehen, wie deine innere Klarheit auf Papier landet und alle Antworten an die Oberfläche gelangen.
Du musst nicht täglich Seiten füllen. Du musst nicht die perfekte Journaling-Routine haben. Aber wenn du aufhörst, Erkenntnisse im Kopf zu kreisen, und anfängst, sie aufzuschreiben — passiert etwas Entscheidendes: Du hörst dir selbst zu.
Was die Forschung dazu sagt
James Pennebaker (1997) zeigte, dass expressives Schreiben über belastende Erlebnisse nachweislich Angst und Stresshormone reduziert
Positive-Psychologie-Studien zeigen: Beim Expressives Schreiben werden Gedanken und Gefühle strukturiert zu Papier gebracht, was zu gesteigerter Klarheit, reduziertem Stress und einer beruhigenden Wirkung führt.
Theorie der kognitiven Belastung: Das Externalisieren von Gedanken entlastet das Arbeitsgedächtnis — das nur 4 Informationseinheiten gleichzeitig halten kann


Kommentare